Pflege von chronisch Kranken

 Aktuelles allgemein

Chronisch kranke Menschen müssen oft in einem besonderen Maß betreut werden. Die fachgerechte Pflege von chronisch kranken Menschen sollte von medizinisch vorgebildetem Pflegepersonal in enger Zusammenarbeit mit Medizinern und pflegenden Angehörigen ausgeführt werden.

Auch die Schulung helfender Angehöriger - zum Beispiel bei wichtigen Handgriffen oder Hilfestellungen - wird mit fortschreitender Erkrankung wichtiger. Pflegende Angehörige benötigen nicht nur stärkere Entlastung von der Rundum-Betreuung, sondern auch Aufklärung und Beratung aus fachkundiger Hand.

Anforderungen an die Betreuung chronisch kranker Patienten

Sowohl an Pflegekräfte, als auch an Angehörige werden hohe Anforderungen gestellt. Das gewohnte Leben wird oft auf den Kopf gestellt, wenn ein Ehemann mit Diabetes nach einem schweren Schlaganfall als Pflegefall nach Hause kommt. Viele chronische Erkrankungen und ihre Erkrankungsfolgen verlangen nach einer fachkundigen, auf die spezielle Situation der Patienten abgestimmten Pflege. Auch die räumlichen Gegebenheiten müssen angepasst werden. Es werden zum Beispiel

  • Krankenpflegebetten
  • Rollstühle
  • Beatmungsgeräte
  • Hebevorrichtungen
  • Inhalationsgeräte
  • mobile Toilettenstühle
  • Inkontinenzwindeln
  • spezielle Nährlösungen oder Infusionen

und andere Hilfsmittel benötigt. Bei dauerhaft bettlägerigen Patienten muss eine Dekubitus-Vorsorge gewährleistet sein.

Die Verschiedenartigkeit chronischer Krankheitsbilder stellt eine große Herausforderung an die Pflegekräfte in der Öffnet internen Link im aktuellen Fensterambulanten Pflege dar. Zu den nicht übertragbaren Erkrankungsbildern gehören Herzinsuffizienz, Krebs, Parkinson, Asthma, chronische Bronchitis, COPD oder Diabetes. Es liegen oft mehrere Erkrankungen zugleich vor. Außerdem können übertragbare Krankheiten wie HIV, Tuberkulose sowie Hepatitis B und C besondere Pflege-Maßnahmen erforderlich machen. Manche Pflegebedürftigen sind zusätzlich von Demenz, Alzheimer, Depressionen oder Schizophrenie betroffen.

Die genannten Krankheitsbilder haben nur eines gemeinsam: Sie schreiten fort, und sind dauerhaft in die Pflege einzubinden. Es kann zu Krisen und Verschlechterungen kommen, aber auch bessere Zeiten geben. Manchmal sind Rehabilitationsmaßnahmen möglich, in anderen Fällen nicht. In anderen Fällen werden fächerübergreifende Versorgungen, regelmäßige Dialyse-Termine oder eine zusätzliche Palliativ-Behandlung bzw. eine Öffnet internen Link im aktuellen FensterPalliativpflege notwendig.

Neue Ansätze nach dem "Chronic Care-Modell"

Viele Fachleute sehen die heutige Pflegesituation als verbesserungswürdig an. Der Mangel an qualifizierten Pflegekräften ist prekär. Zudem stellt die Zunahme chronisch kranker Patienten, die eine jahrelange fachkundige Versorgung benötigen, die Pflegedienste vor neue Herausforderungen. Mit dem "Chronic-Care-Modell" soll nun eine Verbesserung der Primärversorgung durch übergreifende Behandlungsprinzipien, und eine proaktive Versorgung chronisch Kranker Abhilfe schaffen. Es geht vor allem darum, eventuell bestehende Missstände und Mängel bei der Behandlung und Pflege chronisch kranker Patienten zu beseitigen.

Familienangehörige und der Pflegebedürftige selbst sollen umfassend aufgeklärt, und im Sinne von Selbstmanagement stärker in die Behandlung eingebunden werden. Die Koordination zwischen einzelnen Pflegeinstanzen und Medizinern soll besser abgestimmt werden. Wichtig sind auch

  • das frühe Erkennen einer Chronifizierung
  • die Erstellung evidenzbasierter Handlungsrichtlinien
  • die Aktivierung der Patienten zwecks verbessertem Selbstmanagement
  • einheitliche Prioritäten und Standards bei der Pflege
  • mehr interdisziplinäre Schnittstellen bei den versorgenden Instanzen
  • eine engere Vernetzung mit gemeindeeigenen Institutionen
  • eine Steuerung und Kontrolle der Pflegesituation
  • oder eine bessere Abstimmung der getroffenen Maßnahmen.

Das von Wagner et al. entwickelte "Chronic Care-Modell" (CCM) findet auch dank der Übernahme durch den WHO zunehmend Akzeptanz. Ziel ist es, chronisch Kranken eine umfassende, auf den Patienten ausgerichtete Pflege und medizinische Versorgung zukommen zu lassen. Dazu werden beispielsweise Patientenregister erstellt, um Risikogruppen frühzeitig zu erkennen.

Ein "Patienten-Recall-System" soll an wichtige Untersuchungstermine erinnern, und eine gleichbleibende Qualität und Kontinuität bei der medizinischen Versorgung sicherstellen. Pflegerische und medizinisch relevante Leitlinien sollen aktuelles Wissen bündeln. Das soll die bestmögliche Pflegesituation gewährleisten. Mit Reminder-Systemen und medizinischen Monitoring-Programmen sollen für Arztpraxen weitere Verbesserungen entstehen.

Die Pflege chronische Kranker in naher Zukunft

Die Zusammenarbeit zwischen chronisch Kranken, Angehörigen sowie dem Pflegepersonal soll verbessert werden. Zur Pflege nach diesem Prinzip gehören neben der eigentlichen Pflege auch umfassende Beratungs- und Schulungsangebote zur Erkrankung, deren Symptome und mögliche Komplikationen. Information über die verordneten Medikamente, sowie eine Schulung in Sachen Selbstüberwachung und eigene Mitbehandlung sollen vermittelt werden. Außerdem wird die psychosoziale Unterstützung immer wichtiger, wenn es durch eine chronische Erkrankung zu einer Änderung im gewohnten Leben kommt. Dass die Pflegesituation bei chronisch kranken Patienten mit diesem Pflegemodell erheblich verbessert werden kann, ist durch entsprechende Studien nachgewiesen.

Offensichtlich ist vielen pflegenden Angehörigen nicht klar, welche Aufgaben bei der Chronifizierung einer Erkrankung auf sie zukommen können. Daher werden die Pflegedienste zunehmend zum Ansprechpartner, um unterstützend einzugreifen. Auch die behandelnden Ärzte werden bei der Pflege chronisch kranker Patienten zukünftig stärker gefordert. Im Rahmen der Allgemeinmedizin wird die Chroniker-Versorgung ein wichtigeres Thema werden. Das bedeutet auch, dass das gesamte Praxisteam professioneller werden muss, damit der Hausarzt von Mehrbelastungen verschont werden kann.